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Erlebte Inklusion in Flensburg


Motto der WaldschuleLogo-Aktion_Mensch-01

Aktionswoche „Gelebte Inklusion“ – Waldschule Flensburg

Der 5. Mai ist ein fester Termin im Kalender der Behindertenhilfe.
An diesem Tag findet alljährlich der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ statt.

Dabei geht es darum, die Kluft zwischen dem im Grundgesetz verankerten Anspruch der Gleichberechtigung für alle Menschen und der Lebenswirklichkeit Stück für Stück zu überwinden.

“Aktion Mensch“ hat es sich vor 14 Jahren zur Aufgabe gemacht, das Engagement rund um den 5. Mai zu bündeln und jedes Jahr unter ein bestimmtes Motto zu stellen.

Gemäß dem diesjährigen Motto „Jede Barriere ist eine zu viel“, fanden in der Flensburger Waldschule drei Aktionstage statt. Kinder mit und ohne Handicaps konnten voneinander lernen, wie unterschiedlich Sinne und Wahrnehmungen für jeden einzelnen Menschen sind. Dadurch sollte auf spielerische Weise und mit selbst gemachten Erfahrungen das gegenseitige Verständnis gefördert werden.

R4H im Interview mit Lehrerin Sabine Wischmeyer

R4H im Interview mit Lehrerin Sabine Wischmeyer



Ziel des Projektes war, zu vermitteln, zu erleben und zu lernen, wie Menschen mit einem Handicap ihr Umfeld wahrnehmen.

Im „Raum der Sinne“ konnten Kinder und natürlich auch Erwachsene die Sinne Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen und Greifen ausprobieren.

Kinderreporter im Interview mit Christian Eckert

Kinderreporter
im Interview mit Christian Eckert

R4H im Interview mit Christian Eckert

R4H
im Interview mit Christian Eckert

einarmigFeinmotorikIMGP2153IMGP2154IMGP2156Impressionen-01Im_R4H-Interview-01Im_R4H-Interview-02Kids_im_R4H-Interview-01Kids_im_R4H-Interview-02Kids_im_R4H-Interview-03Komentare-01Komentare-02Malwettbewerb-01MalwettbewerbR4H-Infostand-01R4H-Infostand-02Rolliparcours-00Rolliparcours-01Rollstuhlparcours-00-EingangSinne_schuetzenStation-fuehlenStation-hoeren-01Station-hoeren-02Station-hoerenStation-riechen-01Station-riechenStation-schmeckenStation-sehen-02Station-sehen-03Station-sehen-04Station-sehen-05Station-sehen-06Station-sehenChristian Eckert Lehrerin Sabine WischmeyerMal - WettbewerbMasuhr Eckert Grandt Leuendorf vlnrNachwuchsreporterPeter Leuendorf Raum der SinneRollstuhl - Parcours Rollstuhl - Parcours 2Seh-Einschränkung
Nicht alles konnte alleine von der Schule organisiert werden. Der Schulleiter, Volker Masuhr, lobt die gute Zusammenarbeit mit den kooperierenden Institutionen: „Wir wollten den Besuchern viele interessante Möglichkeiten anbieten. Alleine hätten wir das nicht geschafft. Unterstützt wurden wir dabei von der Aktion Mensch sowie der „BEQUA“ Flensburg, eine kommunale Beschäftigungsgesellschaft, die das Projekt „Flensburg mobil“ betreibt. Desweiteren waren Mitglieder vom Health-Media e.V. bei der Planung, Organisation und Durchführung beteiligt sowie ein Reporterteam von »R4H - das Radio für barrierefreie Köpfe«, um das Projekt medial zu begleiten und das dort Erlebte in einer Sondersendung auszustrahlen.

Viele Interviews wurden geführt und eine Gruppe “Nachwuchsreporter“ hatten sich entsprechend vorbereitet und stellten dem neuen Beauftragten der Stadt Flensburg für die Belange von Menschen mit Behinderung, Christian Eckert, Fragen zu seinem Beschäftigungsfeld und der Situation behinderter Menschen in Flensburg.

Aktionstage „Gelebte Inklusion“ – Waldschule Flensburg

Montag, 30.04.2012
Nach der Begrüßung der Lehrkräfte der Waldschule Flensburg wurde der R4H-Infostand im Treppenhaus-Innenhof aufgebaut. Hier konnten die Schüler/innen, die Lehrkräfte und Eltern sowie die Besucher der Aktionswoche Interessantes und Wissenswertes über die Themen Inklusion, Behinderung und Barrierefreiheit erfahren. Überdies wurden diverse Broschüren, Zeitschriften und Informationsblätter angeboten. Diese boten Interessierten die Möglichkeit, sich über den Sender »R4H - das Radio für barrierefreie Köpfe«, über die Bequa Flensburg und deren Informationsplattform „Flensburg Mobil“ und über den Health-Media e.V. zu informieren.

Mittwoch, 02.05.2012
Am zweiten Tag erhielten wir einen genauen Einblick in die verschiedenen Aktionen zum Thema „Sinne –Wahrnehmung“.

So konnten wir dabei zusehen, wie die Schüler/innen in einem eigens dafür in der Sporthalle aufgebauten Parcours im Rollstuhl sitzend verschiedene Hindernisse überwinden mussten. Drei spezielle Rollstühle für Kinder waren dafür freundlicherweise von der Firma Schütt & Jahn, Flensburg (Link zu www.schuett-jahn.de) zur Verfügung gestellt worden.

In einem anderen Raum, dem so genannten „Raum der Sinne“, konnten die Schüler an verschiedenen Stationen ganz bewusst das Hören, Sehen, Schmecken, Riechen und Tasten unter erschwerten Bedingungen ausprobieren.

Donnerstag, 03.05.2012
Der dritte Tag der Projektwoche stand im Zeichen der „hohen Gäste“ aus Politik, Medien und Verwaltung. Zeitungs-Reporter und Journalisten führten Interviews mit anwesenden Schülern und Schülerinnen, ihren Lehrkräften, dem neuen Behindertenbeauftragen der Stadt Flensburg, Christian Eckert und weiteren Anwesenden. Auch die verschiedenen Aktionen konnten und wollten heute wieder durchlaufen werden – diesmal allerdings nicht nur von den Schülern selbst, sondern auch von den „Erwachsenen“. Insbesondere Christian Eckers war sehr angetan von den Aktionen und voll des Lobes. „Super Aktion !! So etwas muß viel öfters und in Zusammenarbeit mit noch mehr Schulen durchgeführt werden“, war sein Resümee und er versprach den Initiatoren, sich dafür einzubringen, dass solche ähnlichen Aktionen zukünftig in Flensburg des Öfteren stattfinden können und werden.

Freitag, 04.05.2012
Der letzte Tag der Aktionswoche „Gelebte Inklusion in Flensburg“ verlief etwas ruhiger als die vorherigen, da fast alle Kinder der Waldschule die einzelnen Stationen bereits mindestens ein Mal, meistens aber mehrfach durchlaufen hatten.

Unser Resümee:
Der Rollstuhlparcours war an allen Tagen sehr gut besucht. Die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, die Hindernisse zu umfahren und konnten sich anschließend gut vorstellen, wie schwierig es teilweise ist, sich im Rollstuhl in der Stadt fortzubewegen, so sagten sie es uns recht einheitlich, wenn sie beim Herauskommen aus der Sporthalle dazu befragt wurden.

Besonders viel Einsatz und Freude an dem Projekt zeigten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 3a und 3b. Diese bereiteten die diversen Aktionen vor und begleiteten und führten die jüngeren Schüler durch die verschiedenen Stationen.

Sehr gut angenommen wurde auch der Malwettbewerb. Über 40 Zeichnungen waren erstellt worden und kommende Woche werden die Gewinnerin/innen ermittelt. Die ersten zehn Platzierten erhalten eine CD „Anders sein“ vom beliebten Kinderliedermacher Michi Vogdt (Internet: http://2010.mobi-cup-nord.de/michi-vogdt/) und die drei besten Bilder, bzw. deren Zeichner/innen zusätzlich ein “Kidskram“-
Gutscheinheft. (Internet: www.kidskram.de)

Die Kinder waren begeistert von den Aktionen und haben so ganz nebenbei einen zum Teil völlig neuen Blick auf das Leben von Menschen mit Behinderungen gewinnen können und alle Beteiligten freuen sich schon auf die nächste Aktion „Gelebte Inklusion in Flensburg“, bei der dann unter Anderem auch verschiedene Disziplinen des Rollstuhlsports dargeboten werden sollen.


shz

Flensburg - 09.05.2012

Besonderes Schulprojekt


shz-bild
Foto: klingsporn
"Ohne dich komme ich dort nicht hoch": Basak Kanat (9, links) schiebt Lewin Weychardt (8) auf eine Matte herauf.

Flensburgs Beauftragter für Menschen mit Behinderung lobt einwöchiges Projekt

Wie kann man hören, dass gerade Nudeln in einer Dose sind? Wie schmiert man ein Nutella- Brot, wenn einem alles verschwommen erscheint? Und wie kann man mit Handprothesen schreiben? Die Antworten auf diese Fragen konnten die Schüler der Waldschule in einer Woche selbst erforschen. Die Klassen 3a und 3b hatten Stationen aufgebaut, an denen man nachvollziehen konnte, wie es ist, mit einer Behinderung zu leben. Die anderen Klassen konnten in den Pausen zu den Stationen kommen.

"Diese Woche machen wir diese Aktion zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung", erklärt Karl Grandt vom Internet-Radiosender "R4H - das Radio für barrierefreie Köpfe". Der Tag findet seit 1992 in jedem Jahr am 5. Mai statt. Hauptsächlich werden Fachveranstaltungen zur Gleichstellung und gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen organisiert. R4H ist der Medienpartner der Woche in der Waldschule und macht eine Radiosendung darüber.

Lewin Weychardt versucht es immer wieder. Der Achtjährige steuert seinen Rollstuhl gerade auf die Matte zu, dreht immer schneller an den Rädern, und doch will der Rollstuhl nicht herauf fahren. "Man merkt, wie schwierig es ist, wenn man etwas nicht so gut kann wie andere", erklärt der Schüler der dritten Klasse. Basak Kanat schiebt ihn dann doch über die hohe Kante der Matte. Die Neunjährige manövriert die Kinder quer durch den Parcours in der Turnhalle und weiß, worauf es ankommt: "Wenn die Rollstühle ins Kippeln geraten, muss man schnell helfen und alles gerade rücken."

"Ich glaube ja, dass das ein kleines Auto ist", sagt Christian Eckert. Der Beauftragte für Menschen mit Behinderungen der Stadt Flensburg hat sich die Zeit genommen, sich anzugucken, was die Kinder aufgebaut haben. Er erfühlt Dinge und erriecht Zwiebeln blind. "Die Kinder sind phantastisch, sie haben viel weniger Berührungsängste als Erwachsene", erklärt Eckert. Er hat selbst eine Armbehinderung. "Meine Tochter nennt meinen rechten Arm ,die Nemoflosse’", erklärt er locker. Projekte wie dieses seien wichtig, um Kinder wissen zu lassen, dass Menschen mit Behinderungen ein Teil der Gesellschaft sind. Darüber hinaus müsse man Menschen mit und ohne Behinderungen so früh wie möglich zusammenbringen, denn etwa zehn Prozent der Bundesbevölkerung haben eine Behinderung.

Resümee:

 

Der Rollstuhlparcours war an allen Tagen sehr gut besucht. Die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, die Hindernisse zu umfahren und konnten sich anschließend gut vorstellen, wie schwierig es teilweise ist, sich im Rollstuhl in der Stadt fortzubewegen, so sagten sie es uns recht einheitlich, wenn sie beim Herauskommen aus der Sporthalle dazu befragt wurden.

Besonders viel Einsatz und Freude an dem Projekt zeigten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 3a und 3b. Diese bereiteten die diversen Aktionen vor und begleiteten und führten die jüngeren Schüler durch die verschiedenen Stationen.

Sehr gut angenommen wurde auch der Malwettbewerb. Über 40 Zeichnungen waren erstellt worden und kommende Woche werden die Gewinnerin/innen ermittelt. Die ersten zehn Platzierten erhalten eine CD „Anders sein“ vom beliebten Kinderliedermacher Michi Vogdt (Internet: http://2010.mobi-cup-nord.de/michi-vogdt/) und die drei besten Bilder, bzw. deren Zeichner/innen zusätzlich ein “Kidskram“- Gutscheinheft (Internet: www.kidskram.de)

 

Die Kinder waren begeistert von den Aktionen und haben so ganz nebenbei einen zum Teil völlig neuen Blick auf das Leben von Menschen mit Behinderungen gewinnen können und alle Beteiligten freuen sich schon auf die nächste Aktion „Gelebte Inklusion in Flensburg“, bei der dann unter Anderem auch verschiedene Disziplinen des Rollstuhlsports dargeboten werden sollen.



flyer


Aktionswoche „Gelebte Inklusion“ – Waldschule Flensburg

Interviews

Viele Interviews wurden geführt und eine Gruppe “Nachwuchsreporter“ hatte sich entsprechend vorbereitet und stellte dem neuen Beauftragten der Stadt Flensburg für die Belange von Menschen mit Behinderung, Christian Eckert, Fragen zu seinem Beschäftigungsfeld und der Situation behinderter Menschen in Flensburg.

Schüler: „Was ist Ihnen am wichtigsten bei ihrer Arbeit?“

Christian Eckert: „Die Interessen von den schwerbehinderten Menschen hier bei der Stadt Flensburg zu vertreten. Ganz viele Menschen wissen nicht um Ihre Rechte. Ganz viele Menschen, die Schwerbehindert sind kennen sich nicht mit den Gesetzen aus. Das kann ich ganz gut. Und dann rufen die mich an oder kommen zu mir ins Rathaus. Sie brauchen Hilfestellung um etwas zu beantragen. Ich bin dafür da, die Kontaktperson zu sein zwischen diesen Menschen und der Politik. Zum Beispiel, wenn jetzt jemand einen Antrag auf eine Schwerbehinderung

stellt, dann bekommt derjenige einen Schwerbehindertenausweis. Da bin ich behilflich, zu sagen, wo man diesen Antrag stellen muss und wie man diesen ausfüllt. Das ist meine Motivation, das ist mein Antrieb, diesen Menschen zu unterstützen. Wenn die Hilfe gewollt ist.“

Schüler: „Gibt es auch Schwierigkeiten bei ihrer Arbeit?“

Christian Eckert: „Hm, nein. Gibt es nicht, gibt es absolut nicht. Es macht mir immer wieder Spaß, diesen Menschen zu helfen. Und dann rufen die mich auch an und bedanken sich oder sie schreiben mir eine E-Mail und sagen, das war toll, dass man mir geholfen hat. Und immer wieder wenn man so ein Dankeschön erhält, das kennt ihr vielleicht, dann tut das so gut, dann gibt es keine Schwierigkeiten.

Mittwoch, 02.05.2012

 

Am Ende der heutigen Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, Sabine Wischmeyer, Lehrerin und Projektleiterin in der Waldschule, einige Fragen zu stellen. So interessierte uns, was sie mit den Kindern in den zurückliegenden Wochen für die Aktionstage vorbereitet hat.

Sabine Wischmeyer: „ Na ja, Wir müssen im Schulbetrieb ja erstmal grundsätzlich darüber sprechen, mit welchem Hintergrund wir solche Aktionen durchführen. Welches Ziel wollen wir erreichen für unsere Schüler und für die Arbeit an unserer Schule. Gerade für den anstehenden Tag am 5. Mai haben wir gesagt, das passt gut zu unserem Schulmotto „Es ist normal, verschieden zu sein“. Und weil wir gesagt haben, es ist immer wieder wichtig noch mal den Fokus auf diesen Satz zu lenken, weil der unseren Alltag prägt, war für uns klar, dass das auch das Leitmotto für die Aktionstage sein kann. Damit startet also so eine Vorbereitung. Dann haben wir uns in einer kleinen Gruppe getroffen und überlegt, was wir eigentlich umsetzen können in dem Zeitrahmen, den wir zur Verfügung haben. Es war für uns klar, dass wir das innerhalb des Schulvormittages machen, damit es für die Schüler ist. Von Schülern für Schüler. Und das ist auch das Prinzip an unserer Schule, dass die Schüler sich gegenseitig Aktionen vorbereiten. Das heißt, es muss alles so geplant sein, dass wir in ein bis zwei Tagen mit ein paar Klassen die Dinge, die wirklich Schüler vorbereiten können, dann auch durchführen können. Das haben wir am Montag gemacht. Da haben zwei bis drei Kolleginnen für zwei Klassen Aktionen vorbereitet und Medien zusammengestellt, mit denen sie den Raum der Sinne einrichten konnten und die Plakate gestaltet haben, die Werbeplakate. Mit denen sind sie heute Morgen durch die Klassen gegangen und haben für die Pausenaktion geworben.

Dann stellte uns Frau Wischmeyer vor, was während des Projekts alles dargeboten wird bzw. was alles ausprobiert werden kann.

 

Sabine Wischmeyer: „Da gibt es verschiedene Übungen, die einen noch einmal auf die einzelnen Sinne zurückführen sollen. Dass man den Fokus auf einen einzelnen Sinn lenkt indem man seine Nase testet und sich durch verschiedene Riechdöschen riecht und seinen Geruchssinn einmal testet. Oder mit Kopfhörern versucht, bestimmte Anweisungen zu befolgen. Die Hörleistung ist immer unterschiedlich eingestellt. Man hört Hintergrundgeräusche oder nicht. Der Geschmackssinn wird getestet.

Dann haben wir ja vom Landesförderzentrum Sehen netterweise die Sehbrillen zur Verfügung gestellt bekommen, die das Sehvermögen reduzieren. Und jetzt haben die Kinder mit zehnprozentigen Gläsern versucht, sich ihr Pausenbrot zu schmieren. Oder durchsichtiges Wasser aus einem durchsichtigen Krug in einen durchsichtigen Becher einzuschenken. Und das ist natürlich eine Meisterleistung. Und es ist einfach schön, das selbst einmal zu erfahren. Zumal wir ja auch Kinder an der Schule haben, die stark seh- beeinträchtigt sind. Es ist einfach mal gut für die Kinder, zu erfahren, wie anstrengend kleine Aktionen für solche Kinder sind.

Wir haben netterweise von der Firma Schütt und Jahn die Rollstühle zur Verfügung gestellt bekommen. Das ist für die Kinder natürlich das, was man sich unter Behinderung erst einmal vorstellt. Das ist so ganz offensichtlich. Als wir das heute Morgen im Morgenkreis erzählt haben, da waren alle ganz begeistert und sagten, das ist ja einfach, da muss man ja nur ein bisschen hin und her fahren. Und das ist genau das, was sie jetzt selber erfahren, dass es nämlich gar nicht so einfach ist. Wenn ich jetzt links um den Kegel herum will, was muss ich tun? Und jetzt ist der Abstand so dicht, wie komme ich jetzt wieder zurück? Das Schwierigste ist natürlich, wie komme ich auf die kleine Matte hoch, die ja wirklich nur einen winzig kleinen Bordstein darstellt, aber dann auch noch mal einen anderen Untergrund bietet, der viel weicher ist und man merkt, man kommt plötzlich gar nicht mehr ohne Hilfe zurecht.“

 

R4H: „Das Engagement der beteiligten Klassen war sehr hoch. Wie ließ sich das Interesse der Kinder für diese Thematik wecken?“

 

Sabine Wischmeyer: „Also, in meiner Klasse ging das ganz einfach. Das hat sich netterweise in der letzten Woche spontan ergeben. Ich habe in meiner Klasse etliche Kinder, die mit starken Beeinträchtigungen zurechtkommen müssen. Das ist sowieso immer Thema bei uns in der Klasse. Und es hat sich letzte Woche einfach ergeben, dass ein Mädchen, das auch von der Friholdt – Schule kommt, einer Schule für geistig behinderte Kinder, einfach wieder an das Ende ihrer Kräfte geraten ist. Und dann entstehen ganz oft Diskussionen mit der Klasse. Wer ist bereit, zu helfen oder wo ist Einsicht da bei den anderen Kindern oder wo sind auch die anderen Kinder überfordert mit der Situation. Sie wollen auch gerne selber mal vorankommen. So bietet das einfach immer eine Gesprächsgrundlage und es leicht, dann darauf aufzubauen und es auf unsere Schulsituation zu lenken. Dann hab ich den Kindern angeboten, wir könnten uns doch einfach alle zusammen, die ganze Schule, auch mal darauf besinnen, was können wir eigentlich und wo sind Probleme, wo entstehen Probleme. Und dann kamen sofort Ideen. Das ergibt sich dann von alleine. Man merkt, dass die Kinder da auch schon so ein bisschen sensibilisiert sind.

Zum Abschluss des Interviews wollten wir natürlich wissen, welche Ziele die Projektleiterin mit den Beteiligten durch diese Aktionstage erreichen wollen.

 

Sabine Wischmeyer: „ Uns ist wichtig, unser Schulmotto noch mal wieder in den Vordergrund zu setzen und die Kinder noch mal darauf aufmerksam zu machen. Wir sind einfach alle verschieden und das ist ganz normal. Wir können hier zusammen leben und arbeiten und lernen und Spaß haben und können uns dabei gegenseitig helfen. Weil das natürlich beim Lernen für Kinder oft ganz schwer ist, weil sie ja selber auch in ihrem eigenen Lernprozess drinstecken. Jeder hat andere Anforderungen. Es ist auch immer mal ganz schön, das noch mal unter anderen Gesichtspunkten zu betrachten. Wie kann ich jemandem helfen, der das eventuell gerade nicht erfühlen kann oder der nicht gut sehen kann. Das sind einfach noch mal andere Aspekte, die vom lernen weggehen, auf die wir aber trotzdem noch mal den Fokus richten. Es ist wichtig, immer wieder einmal in so einem Schuljahr vereinzelt Punkte zu haben, wo die Kinder sich ganz konzentriert darüber Gedanken machen und vor allem es selber erfahren.“

Donnerstag, 03.05.2012

Der dritte Tag der Projektwoche stand im Zeichen der „hohen Gäste“ aus Politik, Medien und Verwaltung. Zeitungs-Reporter und Journalisten führten Interviews mit anwesenden Schülern und Schülerinnen, ihren Lehrkräften, dem neuen Behindertenbeauftragen der Stadt Flensburg, Christian Eckert, und weiteren Anwesenden.

Auch die verschiedenen Aktionen konnten und wollten heute wieder durchlaufen werden – diesmal allerdings nicht nur von den Schülern selbst, sondern auch von den „Erwachsenen“. Insbesondere Christian Eckert war sehr angetan von den Aktionen und voll des Lobes. „Super Aktion !! So etwas muss viel öfter und in Zusammenarbeit mit noch mehr Schulen durchgeführt werden“, war sein Resümee und er versprach den Initiatoren, sich dafür einzubringen, dass solche ähnlichen Aktionen zukünftig in Flensburg des Öfteren stattfinden können und werden.

Drei Stunden hatte sich Herr Eckert Zeit genommen, sich anzusehen, was die Kinder alles aufgebaut hatten. Und so ging er mit den Schülerinnen und Schülern von Station zu Station und probierte alles aus, was ihm sichtlich Spaß machte. Danach hatte er sogar noch Zeit, sich von uns interviewen zu lassen.

 

 

R4H: „Herr Eckert, sind solche Aktionstage wie diese hier eine Unterstützung für ihre Arbeit?“

Christian Eckert: „Das kann ich definitiv mit Ja beantworten. Es ist so, dass einfach noch um die ganze Behindertenpolitik viel zu wenig publiziert wird. Es muss deutlich mehr werden. Wir haben ca. 8000 behinderte Menschen hier in Flensburg als Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Wir müssen mehr die Werbetrommel rühren, definitiv und dafür sind solche Aktionen wie hier hervorragend. Als sie mich vor eineinhalb Wochen gefragt haben, ob ich hier heute dabei sein kann und möchte, musste ich genau eine halbe Sekunde überlegen und zwar bin ich sehr gerne gekommen. Wir müssen für solche Aktionen unbedingt mehr Werbung machen.“

R4H: „Nun waren sie ja zwei Stunden hier, sind ja auch von den Kindern rumgeführt worden, und jetzt mal ihr Resümee, ihr Eindruck von dieser Aktion, mitten im Geschehen dabei gewesen zu sein: wie hat ihnen das gefallen und wie haben sie die Kinder gesehen und wie beurteilen sie, wie die Kinder das ganze aufgenommen haben?“

Christian Eckert: „Die Kinder, die hier heute mitgemacht haben, waren fantastisch. Ich habe selber zwei kleine eigene Kinder und ich weiß, dass Kinder immer so schön ehrlich sind und einfach keine Hemmungen haben, keine Berührungsängste. Deswegen ist es gut, dass man auch von Anfang an den Kindern mitteilt, dass behinderte Menschen ein Teil des Ganzen sind und auch immer bleiben werden. Ich war angenehm überrascht, bzw. sehr angetan, wie die Kinder damit umgegangen sind. Also ich kann ihnen sagen, dass die erwachsenen Menschen mit denen ich auch beruflich zu tun habe, deutlich mehr Berührungsängste und Hemmungen haben und sich auch auf Projektbereiche wie Fühlen, Hören, Sehen einzulassen, als bei den Kindern. Und ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so einfach ist, mit den Kinder diesbezüglich auszukommen und wie gerne sie mir auch diese Projekte hier gezeigt haben, die die Kinder selber aufgestellt haben. Es hat mir irre Spaß gemacht, diese Nutellabrote zu schmieren und das Glas Wasser einzuschenken. Da würde ich am liebsten jetzt noch sitzen und das machen wollen. Und nicht weil es mir so geschmeckt hat, sondern weil es mir auch wirklich Spaß gemacht hat. Und ich finde es schön, ohne dass das wirklich aufdringlich sein soll, dass man vielleicht mal nichtbehinderte Menschen temporär in eine Situation der Behinderung führen darf und kann.“

R4H: „Gibt es ähnliche Projekte hier in Flensburg oder in Schleswig-Holstein?“

Herr Eckert: „ Das kann ich ihnen noch nicht so richtig beantworten. Ich bin erst seit sechs bis sieben Wochen in dieser Funktion tätig. Gleichwohl ich natürlich immer die Tagespresse verfolge. Es gibt zum Beispiel eine Motorradtour, die hier in Flensburg veranstaltet wird, aber auch in Husum, wo behinderte Menschen auch dran teilnehmen können, indem sie im Beiwagen sitzen, also vorrangig Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer. Dann den Mobicup. Das ist ja eines ihrer Projekte, das ist mir von Anfang an nicht unbekannt gewesen. Aber um ihre Frage konkret zu beantworten, gibt es auf jeden fall zu wenig solcher Projekte.“

R4H: „Ja, was sie eben ansprachen ist der sogenannte Motorradgottesdienst, der am kommenden Samstag stattfindet. R4H ist auch da Medienpartner. Da sind auch viele psychisch behinderte Menschen dabei von den Mürwikern und die machen dort Stadtrundfahrten, das ist auch eine ganz tolle Sache. Um noch mal auf ihr Amt zurückzukommen, was sind die vorrangigen Ziele für die Behindertenarbeit hier in Flensburg?“

Christian Eckert: „Es muss selbstverständlich sein, dass die behinderten Menschen ein Teil des Ganzen sind. Sie müssen integriert werden. Wir haben die Behindertenrechtskonventionen, das ist ja ein völkerrechtlicher Vertrag, der ja bereits bestehende Verhältnisse noch einmal konkretisiert hat. Das ist immer so schön und gut, wenn das irgendwo geschrieben steht und wenn Politiker so etwas abschließen. Das Ganze muss aber gelebt werden, das ist der Punkt. Und da ist mir das, verzeihen sie mir bitte, auch völlig wurscht, wo es steht. Es muss selbstverständlich sein. Ich muss nicht erst mit einem Gesetz drohen oder damit wedeln oder einem Vertrag, der abgeschlossen wurde. Und deswegen ist es so wichtig, dass es solche Institutionen gibt, wie den Beauftragten für Menschen mit Behinderungen hier in Flensburg. Mein Antrieb ist immer derjenige, weil ich auch selbst schwerbehindert bin, zu sagen, die müssen zueinander finden. Es muss selbstverständlich sein, dass jemand vielleicht nicht alle Gliedmaßen besitzt, nicht gut sehen kann, nicht gut hören kann und es muss einfach auch selbstverständlich sein, dass diesen Menschen, wenn sie es denn wollen, auch geholfen wird. Ich muss von nichtbehinderten Menschen viermal gefragt werden, ob mir geholfen werden soll. Einmal freundlich fragen. Dann kann ich auch, wenn ich gerade keine Hilfe benötige, freundlich ablehnen. Aber viermal gefragt werden muss ich auch nicht. Das wollen ja auch die Nichtbehinderten. Die wollen ja auch nicht viermal gefragt werden in einem Hosenladen, welche Hose man benötigt. Also, es wollen alle gleichbehandelt werden.“

R4H: „ Herr Eckert. Ich danke ihnen für dieses tolle Gespräch und dafür, dass sie gekommen sind und sich diese Zeit genommen haben, an diesem Projekt hier teilzunehmen.“

Christian Eckert: „Sehr gerne. Ich habe ihnen zu danken und zum Schluss vielleicht was ihre Frage zuvor betroffen hat, noch einmal ein Veranstaltungshinweis. Am 21.06.2012 gibt es eine Sportveranstaltung hier in Flensburg vom Holländer Hof. Und zwar gibt es dort ein Down Syndrom – Leichtathletik Fest. Das ist von 10 bis 15 Uhr. Dort werde ich auch so gegen 14.15 Uhr zugegen sein. Vielleicht haben sie ja auch die Möglichkeit, würde mich freuen, auch dort zu sein und zu berichten. Vielen Dank.“

 

Auch das Flensburger Tageblatt war an diesem Aktionstag vor Ort und konnte Christian Eckert noch einige interessante Antworten entlocken.

Flensburger Tageblatt: „Was halten sie von dem Projekt hier?“

Christian Eckert: „Sehr viel. Und zwar, weil man so früh wie möglich damit anfangen muss, behinderte Menschen mit nichtbehinderten Menschen zusammenzubringen. Weil es für die nichtbehinderten Menschen insbesondere im Kindheitsalter wichtig sein muss, dass die wissen, dass behinderte Menschen immer da sind, immer da sein werden und einfach Teil der Gesellschaft sind und keine besondere Art und Weise benötigen, wie man sie behandelt. Es sei denn, sie erwünschen es. Ich werde ganz oft auch in meinem Hauptberuf gefragt, was können wir tun, wenn wir auf behinderte Menschen treffen. Und es ist immer so, diese Berührungsangst, die bei den nichtbehinderten Menschen aufkommt wenn sie auf Menschen mit Behinderung treffen. Krasse Fragen, die mir gestellt worden sind, sind zum Beispiel: darf ich diesen Menschen anfassen. Und wenn man dann weiß um die Art der Behinderung, also wenn das die behinderten Menschen selber publiziert haben, und sich einigermaßen mit diesen Krankheitsbildern auskennt, dann ist es, um ein Beispiel zu nennen, bei Epilepsie, da muss man zum Beispiel wissen, dass ungünstige Lichteinwirkungen auf einen Anfall hinwirken können. Und dann muss man wissen, dass man zum Beispiel diejenigen, wenn sie dann einen Anfall erleiden, nur in eine stabile Seitenlage legen muss, ohne besondere Maßnahmen zu ergreifen. Die erholen sich dann von alleine. Muss man aber vorher wissen. Manche Menschen können über ihre Behinderung sprechen und manche auch nicht. Das ist halt unterschiedlich und deswegen muss man von Anfang an, deswegen sind solche Projekte wie dieses so wichtig, die Kinder wissen lassen, dass es selbstverständlich ist, dass es behinderte Menschen gibt und dass sie einfach ein Teil des Ganzen sind. Damit kann man nicht früh genug beginnen.“

Flensburger Tageblatt: „Gehen Kinder anders mit Menschen mit Behinderung um als andere?“

Christian Eckert: „Ja, definitiv. Aufgrund dessen, weil die Kinder keine Berührungsängste haben. Kinder sind von Grund auf ehrlich. Ein Beispiel: Als Kind, da war ich acht oder neun Jahre alt, bin durch einen Supermarkt und es war eine Mutter mit einem Kind da und dieses Kind, ungefähr mein Alter, fragte seine Mutter: Was hat denn der da? Mit der da war ich gemeint und seine Mutter sagte nur: Guck da nicht so hin! Und sie hat das Kind weggezogen. Kinder sind aber ehrlich. Die machen sich keine Gedanken darüber, was sie sagen. Und ich hab es dann ein paar Jahre später erlebt, das war auch im Supermarkt, aber ein anderes Kind, das fragte: Mama was hat denn das Kind da? Und da sagte die Mutter: Geh doch hin und frag ihn. Dann hab ich das ganz in Ruhe erklärt, auch den Kindern meiner Brüder was es einfach ist. Von Geburt an ist meine Behinderung und dass ich so aufgewachsen bin, dass es total normal ist. Und meine Tochter sagte mal zu meinem rechten Arm, der bis zur Hälfte gewachsen ist, das ist die Nemo Flosse. Die ist vier, meine Tochter.“

Flensburger Tageblatt: „ Würden sie sagen, dass ihr Leben anders ist als das Leben von Menschen ohne Behinderung?“

Herr Eckert: „Ja, definitiv. Also das sagt auch meine Frau über mich. Ich glaube nicht, dass ich mich so intensiv für die Rechte und Interessen der behinderten Menschen einsetzen würde, wenn ich selber nicht schwerbehindert sein würde. Ich bin jetzt seit 1991 im öffentlichen Dienst und es gibt ja gewisse Gesetze, die dort zu Buche schlagen. Also die Rechte der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst und dort hab ich immer wieder erkannt, dass diese Rechte viel zu wenig publiziert werden. Und das ist immer mein Antrieb, diesen Menschen zu helfen und ich bin der Meinung, dass in Deutschland die Rechte der schwerbehinderten Menschen einfach viel zu wenig kommuniziert und publiziert werden. Und das ist mein Antrieb, weil ich selber auch natürlich jetzt objektiv sagen kann, wie es ist, dass ich schwerbehindert bin. Gleichwohl ich auch sagen muss, dass jede Behinderung immer individuell ist. Es gibt einen Menschen, wo ich arbeite, im Kraftfahrtbundesamt, der subjektiv gesehen die gleiche Behinderung hat wie ich, der damit aber ganz anders umgeht. Egal welche Facetten. Sowohl positiv als auch negativ. Deswegen darf man sich davon nicht beeinflussen lassen, dass man der Meinung ist, na ja, meine Nachbarin hat die gleiche Behinderung, die kann das und wieso kannst du das nicht. Jede Behinderung, sei es, dass sie noch so subjektiv gleich erscheint, ist immer individuell. Das hat natürlich auch viel mit der Psyche zu tun, wie man mit einer Behinderung umgeht.“

Flensburger Tageblatt: „Wer darf sich alles wann an sie wenden?“

Christian Eckert: „Also die erste Frage beantworte ich am liebsten, vor allem wer. Das sind natürlich alle, die Fragen haben, was Behinderung/Schwerbehinderung betrifft. Ich bin ja jetzt gewählt worden von der Ratsversammlung der Stadt Flensburg zum Beauftragten für Menschen mit Behinderungen. Das beantwortet auch gleich ihre erste Frage. Also diejenigen Menschen, die eine Behinderung haben. Bürgerinnen und Bürger der Stadt Flensburg sind vorrangig. Für die bin ich da, zu unterstützen. Auch natürlich mit Blick auf die Barrierefreiheit in Flensburg, was auch mein gestecktes Ziel für die nächsten Jahre ist. Weil ich der Meinung bin, dass in Flensburg einiges noch besser laufen kann, was die Barrierefreiheit betrifft. Ich guck mir da ein bis zwei Bushaltestellen an, guck mir aber insbesondere die privaten Einrichtungen an, seien es Supermärkte, seien es Restaurants. Das Schlimmste für einen Rollstuhlfahrer ist ein Kellerrestaurant mit Treppe. Oder, um ein Beispiel zu nennen, die Galerie Flensburg hat jetzt, wann wurde die erbaut, vor sieben bis acht Jahren ungefähr, und ich glaube seit zwei Jahren haben sie erst den automatischen Türöffner. Also deutlich viel zu spät. Und der automatische Türöffner ist ja nicht nur für die Gehbehinderten sinnvoll, sondern auch zum Beispiel für die jungen Väter und Mütter mit den Kinderwagen. Also die Barrierefreiheit ist natürlich auch immer gut für die, die keine Behinderung haben. Ein automatischer Türöffner ist für alle Menschen hervorragend. Aber das muss auch immer sein. Das ist ein Grundrecht von schwerbehinderten Menschen, dass die Einrichtungen, insbesondere öffentliche Einrichtungen, barrierefrei sind. Ohne fremde Hilfe zu erreichen sind.“

 

Und auch den Schulleiter, Herrn Masuhr, durften wir zu den Aktionswochen befragen. Zunächst erklärte er uns, was das besondere an der Waldschule ist.

 

Herr Masuhr: „Es ist schwer, zu sagen, was das Besondere ist. Weil man das, was man alltäglich macht, nicht als etwas Besonderes wahrnimmt. Was uns möglicherweise auszeichnet, ist, dass wir die Kinder so aufnehmen, wie sie sind. Egal ob sie Förderbedarf haben oder nicht und das wir ihnen erlauben so zu sein, wie sie sind. Das Schulmotto lautet, es ist normal, verschieden zu sein.“

Danach zog Herr Masuhr sein Resümee über die Aktionstage.

 

Christian Masuhr: „Die Tage haben sehr viel Spaß gemacht. Die Aktionen haben sie ja selbst gesehen. Die Kinder, wie sie an den Stationen gespielt haben bzw. spielerisch erkannt haben wie es ist, mit einem Handicap zu leben. Zum Beispiel wenn man jetzt schlecht gucken kann oder schlecht riechen kann oder nicht gehen kann, an den Rollstuhl gefesselt ist. Dass die Kinder mitkriegen, der hat zwar ein Handicap, aber ist genauso ein Mensch wie ich. Dass es normal ist, verschieden zu sein. Sie versetzen sich dann automatisch in die Situation der Anderen. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, dass ich nicht nur bei mir bleibe, sondern gucke, was für Menschen gibt es noch auf der Welt. Wie sind die. Ich bin nicht der Nabel, nicht alle sind so wie ich und die anderen sind auch nicht so wie ich.

Da die Aktion bei allen so gut ankam, fragten wir noch, ob er es befürworten würde, wenn in Zukunft weitere solcher Aktionen durchgeführt würden.

Christian Masuhr: „Aktionstage sind immer gut, um den Fokus auf etwas zu lenken. Einen dauernden Aktionstag hielte ich für ungünstig. Besser als Aktionstagezu veranstalten ist es, aus meiner Sicht, das Motto zu leben, also wir machen das einfach mal. Aktionstage lenken den Fokus ein bisschen. Und einige Kinder haben auch gesagt, das ist doch unser Schulmotto, was wir hier machen. Wir sind halt alle verschieden. Die haben es sogar richtig gemerkt. Ein neuer Aktionstag müsste dann nächstes Jahr vielleicht noch mal stattfinden. Vielleicht auch zu einem anderen Thema. Ansonsten ist das Thema in unserem Schulleben schon sehr fest verankert.“

Bleibt nur noch die Frage, ob man Ideen, die im Rahmen des Projektes umgesetzt wurden, auch in den Unterricht einfließen lassen könnte.

 

Herr Masuhr: „Das wird immer gemacht. Das ist alltäglich und allgegenwärtig. Die Kinder haben eigene Lernpläne, die sie selbst erstellen. Sie gestalten die Menge des Lehrstoffes selbst. Und das Arbeitstempo, das sie an den Tag legen, bestimmen sie selbst. Der Unterricht wird bei uns sehr stark individualisiert. Auf die speziellen Bedingungen, die die Kinder benötigen, wird durch die Lehrkräfte sehr stark Rücksicht genommen. Und sie haben auch einen engen Kontakt zu Kindern, die ein Handicap haben auf verschiedenen Ebenen. So ist das Thema Verschiedenheit bei uns täglich aktuell.

 

Auch anwesend war Peter Leuendorf, behindertenpolitischer Sprecher der freien Wählergemeinschaft „Wir in Flensburg“ und Mitglied des Ausschusses „Bildung und Sport. Herr Leuendorf fand die Aktion in der Waldschule hochinteressant, lobte das Engagement der Schüler und Lehrer und beschrieb die Aktionstage als ein innovatives Inklusionsprojekt für barrierefreie Köpfe.

 

Allerdings war Peter Leuendorf in Hinsicht auf das mangelnde Interesse der anderen Fraktionen an dieser Aktionsveranstaltung enttäuscht. Denn obwohl alle Fraktionen und die Verwaltung eingeladen wurden, seien lediglich der Beauftragte für Menschen mit Behinderung und er selbst als Vertreter seiner Fraktion der WiF erschienen.

 

Im Interview konnten wir Herrn Leuendorf zu dem Projekt befragen. Zunächst stellte er sich und seine Arbeit vor, um uns dann zu erzählen, wie er von der Aktion gehört hatte.

 

Peter Leuendorf: „Mein Name ist Peter Leuendorf. Ich bin Mitglied der WiF Fraktion. Bin in diesem Rahmen tätig im Bildungsausschuss und bin behindertenpolitischer Sprecher meiner Fraktion. Und in dieser Eigenschaft bin ich heute auch hier. Ich war mehrere Jahre im Beirat für Menschen mit Behinderungen und habe auch die richtige Einstellung zu Menschen mit Behinderungen, da ich selbst zu siebzig Prozent behindert bin. Die Fraktionen haben alle eine Einladung für heute bekommen. Ich bin fürchterlich enttäuscht, dass die anderen Fraktionen alle abgesagt haben. Die WiF ist die einzige, die jetzt einen Delegierten hier hingeschickt hat.

Ich muss sagen, ich bin begeistert. Erstmal von der Aktion als solche und mich begeistern auch die Kinder, die das alles vorbereitet haben. Die gehen derartig verantwortungsvoll mit den Mitmenschen um, egal welche Behinderung sie haben. So etwas begeistert einen.“

Zum Zeitpunkt des Interviews hatte Herr Leuendorf schon einige Stationen gesehen und ausprobiert.

 

Peter Leuendorf: „ Wir sind hier unten rum gegangen im Raum der Sinne. Wir haben uns angesehen, wie das ist mit Sehbehinderung eine Schnitte zu schmieren. Wir sind also im Ganzen rum gegangen und ich kann einfach nur sagen, ich bin begeistert, dass man überhaupt ein Projekt so aktiv angeht.“

Zur Frage, ob er einen Vergleich zu ähnlichen Projekten an anderen Schulen ziehen könne, berichtete Herr Leuendorf Folgendes.

 

Peter Leuendorf: „An anderen Schulen hab ich das noch nicht kennengelernt. Ich bin einmal am Holländer Hof gewesen, da gab es ähnliche Aktionen. Aber da sind die Kinder älter bis zum Erwachsenen. Und ich war auch schon in den Mürwiker Werkstätten. Das stammt alles noch aus der Zeit, wo ich im Beirat für Menschen mit Behinderungen tätig war. Aber hier, mit Kindern in dieser Altersgruppe, denen zu vermitteln, wie selbstverständlich es ist, mit anderen Menschen umzugehen, die nicht so können, wie sie selbst. Das ist eigentlich das A und O dieser Veranstaltung hier.“

 

Zum Abschluss des Interviews wollten wir noch wissen, was seine Wünsche für die Zukunft in Bezug auf Inklusion und Barrierefreiheit sind.

 

Peter Leuendorf: „Wenn ich mir für die Zukunft etwas wünschen könnte, dann wünschte ich mir, dass an allen Schulen dieses Projekt durchgeführt wird. Damit alle Kinder damit konfrontiert werden, wie normal Kinder mit einer Behinderung sind.“

Freitag, 04.05.2012

 

Der letzte Tag der Aktionswoche „Gelebte Inklusion in Flensburg“ verlief etwas ruhiger als die vorherigen, da fast alle Kinder der Waldschule die einzelnen Stationen bereits mindestens ein Mal, meistens aber mehrfach durchlaufen hatten.

 



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